Die Türkische Gemeinde Baden-Württemberg (TGBW)
betrachtet Integration als einen Prozess, der beidseitig erfolgt und von
der Mehrheitsgesellschaft sowie von Minderheitengruppen verlangt, sich
mit ihren Fähigkeiten und Potentialen für die Teilhabe aller Gruppen in
der Gesellschaft einzusetzen. Hierzu müssen einerseits adäquate
Integrationsangebote bereitgestellt und andererseits diese auch von den
unterschiedlichen Communities angenommen werden. Die Beteiligung der
Migrationsverbände bei der Konzeption, Kommunikation und Durchführung
solcher Angebote ist ein zentraler Erfolgsfaktor bei der Umsetzung der
Nationalen Integrationspolitik. Aus diesem Grund hat auch die Türkische
Gemeinde Deutschland (TGD) mit ihren Landesverbänden eine Reihe von
Selbstverpflichtungen abgegeben. Sie zielen v.a. darauf, Menschen mit
Migrationshintergrund zur aktiven Beteiligung an Entscheidungs- und
Gestaltungsprozessen zu motivieren. So hat die TGD im Jahr 2007 eine
breite Kampagne unter dem Titel „Bildung für Zukunft“ gestartet. Sie hat
das Ziel, binnen fünf Jahren die Zahl türkischstämmiger
Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Abschluss zu halbieren, die
der mittleren Schulabschlüsse zu verdoppeln und die Zahl der
Abiturientinnen und Abiturienten deutlich zu erhöhen.
Die TGD führt seit Oktober 2007 eine bundesweite
Berufsausbildungskampagne „Youngsters for Best Practice“ durch. Auf
Landesebene wurden inzwischen Elternakademien eingerichtet, die Eltern
zu „Bildungsbotschaftern“ schulen. In Seminaren werden insbesondere
türkischstämmige Eltern über das deutsche Schulsystem sowie ihre
Mitwirkungsmöglichkeiten, Rechte und Pflichten aufgeklärt. Darüber
hinaus werden erfolgreiche türkischstämmige Schul- und
Hochschulabsolventinnen und -absolventen unter dem Motto „Ich habe es
geschafft, du schaffst es auch!“ zu „Jugend- Bildungspaten“ ernannt. Sie
sollen ihrerseits Jugendliche begleiten und als Vorbilder für eine
gelungene Bildungslaufbahn fungieren. An sieben Standorten in
Deutschland sind innerhalb eines Jahres mit den regional ansässigen
Institutionen, Projekten, Migrantenorganisationen und Unternehmen der
ethnischen Ökonomie aktivierende Events geplant und durchgeführt, so
auch in Stuttgart im Juni 2008 mit den Zielen:
Jugendliche, die durch Best-Practice-Modelle
Unterstützung erhalten haben, als
Botschafterinnen und Botschafter für andere Jugendliche auszubilden
und einzusetzen;
Best-Practice-Modelle in Deutschland zu
erfassen und bekannt zu machen;
Fachkräfte zu aktivieren, die jugendlichen
Botschafterinnen und Botschafter zu begleiten;
Unternehmen zu aktivieren,
Best-Practice-Modelle im eigenen Unternehmen aufzugreifen.
Nur 1 % der rund 740.000 Lehrerinnen und Lehrer in
Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Bei den
Lehramtsstudierenden liegt der Anteil bei 2 %. Die TGD strebt eine
Quotenregelung in Deutschland an: 10 % der Referendarinnen und
Referendare sollten aus Zuwandererfamilien stammen. Die deutsche
Staatsbürgerschaft sollte nicht zwingend notwendig sein. Andere
Eigenschaften und Kompetenzen sind wichtiger im Umgang mit Schülerinnen
und Schülern. Dieser Beruf ist wichtig, um die nachfolgende Generation
aus dem eigenen Kulturkreis zu stärken. Lehrkräfte mit
Migrationshintergrund werden dringend gebraucht – als Rollenvorbilder,
Übersetzer und Vertraute. Die Jugendlichen sollen dazu motiviert werden,
sich für diesen Beruf zu entscheiden.
Die TGBW plant, in den Jahren 2008-2009 jeweils eine
Elternakademie durchzuführen, ihre Bildungskampagne im Land fortzuführen
und insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund zum Lehrerberuf
zu motivieren.
Ferner sieht die TGBW ein Defizit im Bereich der
Elternbildung, vor allem im Bereich der schulischen Leistung türkischer
Kinder. Hier sind authentische Seminare für Eltern an bestimmten Schulen
geplant. Ziel dieser Seminare – sog. „Elternakademien“ – ist es, mehr
Eltern als Mentorinnen und Mentoren in den Stadtteilen auszubilden, die
anschließend für die Schulen als Ansprechpartnerinnen und
Ansprechpartner tätig sein können. Dabei ist die Arbeit der
Stabsabteilung für Integrationspolitik der Stadt Stuttgart – welche die
TGBW mit ihren Mitgliedsorganisationen aktiv unterstützen wird – in
diesem Bereich ein guter Ansatz.
Die TGBW erwartet, dass im Integrationsprozess die
Migrationsverbände in diese Arbeit eingebunden und auch finanziell
gefördert werden.